Offener Brief an die Leitung des Katholikentags

Münster, den 28.03.2018

Katholikentagsleitung                                                                                                      Breul 23
48143 Münster

Offener Brief: AfD- Vertreter auf dem Katholikentag, Ausladung

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir wenden uns an Sie wegen des geplanten Auftritts des „kirchenpolitischen Sprechers“ der AfD- Bundestagsfraktion, Volker Münz, am Samstag, den 12.05. 2018, auf dem Katholikentag in Münster. Volker Münz soll im Rahmen einer Podiumsdiskussion mit Vertreter*innen der demokratischen Parteien des Bundestags diskutieren.

Die Entscheidung den AfD-Vertreter entgegen vorheriger Aussagen einzuladen ist ein fatales Signal und in keiner Weise nachvollziehbar, denn mit der Einladung wird einer rechtsextremen Partei die Gelegenheit gegeben, ihre Agenda auf einer großen Bühne mit erheblicher Medienwirksamkeit zu präsentieren. In diesen Zeiten anhaltender rassistischer Gewalt geht mit der Einladung ein vollkommen falsches Signal aus. Denn auch mit dem Einzug der AfD in den Bundestag sind der Rassismus und die Verhöhnung des Holocausts durch diese Partei kein normaler oder gar diskutabler Standpunkt. Es ist doch vielmehr so, dass die AfD nur eine weitere Bühne – den Deutschen Bundestag – bekommen hat, die sie für ihre rassistischen Angriffe auf das Zusammenleben in unserer Gesellschaft nutzt.

Im Besonderen ist es in keiner Weise nachzuvollziehen, was sich an der Einschätzung dieser Partei durch ihren Einzug in den Bundestag (und zuvor bereits in etliche Landesparlamente) geändert haben soll. Begrüßenswerter Weise hatte Ihr Präsident, Prof. Dr. Thomas Sternberg, vor der Bundestagswahl die Nicht-Einladung der AfD zum Katholikentag für richtig gehalten. Zum 100. Katholikentag im Jahr 2016 in Leipzig war die damalige AfD-Vorsitzende Frauke Petry nicht zur Eröffnung eingeladen worden. Begründet wurde dieses aus unserer Sicht richtige Vorgehen damit, dass die AfD eine Partei mit teils menschenverachtenden Parolen sei. Die Würde der Menschen, also auch der Flüchtlinge, sei für Christen nicht verhandelbar.

Es ist gerade angesichts der immer weiter fortschreitenden Rechtsradikalisierung der AfD in keiner Weise nachvollziehbar, dass die damalige Einschätzung der AfD, ihrer Politik und Programmatik nun seitens des ZdK revidiert wird.

Begründet wird die nun erfolgte Einladung an einen Vertreter des völkisch-nationalen Flügels der AfD damit, dass die AfD nicht die „Opferrolle“ oder einen „Opferstatus“ einer ausgegrenzten Partei zukommen dürfe, wovon die AfD dann wiederum profitiere.
Die Hoffnung, die AfD mit der Einladung ruhig zu stellen, deren Vertreter*innen als mögliche gleichberechtigte Gesprächspartner*innen anzusehen bzw. diese
öffentliche Wahrnehmung herzustellen und auf diese Weise zu „domestizieren“, ist unseres Erachtens ein gefährlicher Trugschluss. Die AfD nutzt jede Gelegenheit, um mit kalkulierten „Tabubrüchen“ Aufmerksamkeit zu generieren und den gesellschaftlichen Diskurs weiter nach rechts zu verschieben. Mit rechten Parteien zu diskutieren, schadet diesen nicht, sondern führt zu einer weiteren Normalisierung ihrer menschenverachtenden Positionen. Von Ihrer völkischen Agenda lässt sich die AfD auch nicht im Rahmen einer Podiumsdiskussion abbringen. Was rechten Akteuren tatsächlich schadet, ist keine Bühne zu bekommen.

Wir können Sie daher nur auffordern, den AfD-Vertreter Volker Münz auszuladen und somit Rassismus und völkischer Ideologie keinen Raum auf dem Katholikentag in Münster zu bieten.

Wir begrüßen ausdrücklich die zahlreichen Veranstaltungen, die sich mit Themen auseinandersetzen, die auch uns wichtig sind und die im Besonderen die Situation geflüchteter Menschen thematisieren.

Gern möchten wir mit Ihnen in dieser Frage ins Gespräch kommen und stehen unter den unten genannten Kontaktdaten zur Verfügung.

Den Mitgliedern Ihres Gremiums, denen unsere Aktivitäten in Münster und der Region möglicherweise nicht bekannt sind, ist sicherlich die bundesweit bekannt gewordene Demonstration gegen den Neujahrsempfang der AfD im Münsteraner Rathaus am 10.02.2017 in Erinnerung, die unser Bündnis organisiert hatte.

Fast 10.000 Menschen protestierten gegen den Auftritt der damaligen AfD- Vorsitzenden Frauke Petry. Auf unserer Bühne sprachen die Vorsitzende des BDKJ aus unserer Region und ein Vertreter des hiesigen Evangelischen Kirchenkreises. Bundesweit machte Münster Schlagzeilen, weil hier der einzige Wahlkreis war, in dem die AfD bei der Bundestagswahl unter der 5%-Hürde blieb.

Daher wäre der Auftritt des AfD-Vertreters auf dem Katholikentag ein Affront für eine vielfältige, offene Stadt, der gelebte Willkommenskultur und die Aufnahme und Unterstützung geflüchteter Menschen ein wichtiges Anliegen ist.

Wir möchten, dass dies in Zukunft so bleibt und gehen davon aus, dass die Ausladung des AfD- Vertreters auch hierfür ein wichtiges Signal bedeutet. Noch ist es nicht zu spät, um mit der Ausladung des AfD-Vertreters ein deutliches Zeichen zu setzen.

Mit freundlichen Grüßen,
Bündnis „Keinen Meter den Nazis“

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